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Mehrsprachigkeit: Fluch oder Segen? Was du am besten nicht machen sollst!

Mythen, Erfahrungen & Forschungsstand – 4 Jahre Dreisprachigkeit zu Hause!

Wie viele Sprachen spricht dein Kind? Hat dein Partner eine andere Muttersprache? Vielleicht sogar eine andere Kultur? Mehrsprachigkeit ist bei uns Alltag: mein Kind wird mit 3 Sprachen groß: wobei Englisch die Kommunikationssprache ist und keiner ein Native ist.

Mit diesem Post teile ich einerseits meine Erfahrungen nach 4 Jahren, andererseits räume ich einige Mythen aus dem Weg. Du bekommst hier Einblick in unseren Alltag mit 3 Sprachen und Information über den aktuellen Forschungsstand. Mehrsprachigkeit: Fluch oder Segen? Was du besser nicht machen sollst! 

Familiensituation

Hauptsprache Deutsch: Meine Muttersprache ist deutsch und wir leben in Österreich (deutschsprachiges Umfeld).

Familiensprache: Englisch – wobei weder mein Mann noch ich Natives sind.

Muttersprache Partner: mein Mann, der Papa unseres Kindes spricht singhalesisch (eine der 3 Landessprachen Sri Lankas). Willkommen in unserem Sprachdschungel!

Mehrsprachigkeit: Fluch oder Segen?

Forschungsstand Mehrsprachigkeit

Die Forschung war bis ca. 1970 der Meinung, dass Mehrsprachigkeit eine negative Auswirkung auf die kindliche Entwicklung hat, ja es sogar bei der Sprachentwicklung verlangsame.

Zum Glück hat sich die Forschung weiterentwickelt und es konnten eine ganze Reihe positiver Effekte von Mehrsprachigkeit festgestellt werden. Multilinguale Menschen kommunizieren besser, können sich besser konzentrieren, können Probleme besser lösen und sind empathischer.

Sprache ist eng verbunden mit Kultur, d.h. mehrsprachig aufwachsende Kinder habe ein tieferes Verständnis von Kultur und kulturellen Unterschieden. Sie leben zwischen mindestens 2 Sprachwelten.

Spracherwerb fällt multilingualen Kindern sehr leicht, was für sie im späteren Berufsleben ein Vorteil ist, der sich vermutlich auch monetär niederschlägt.

In der Forschung zeigt sich deutlich, dass der Spracherwerb im Kindesalter im Vergleich zu Kindern mit nur einer Muttersprache zur gleichen Zeit erfolgt. Das widerlegt den Mythos mehrsprachige Kinder würden erst viel später zu sprechen beginnen!

Erfahrungen nach 4 Jahren

Uns war es wichtig, dass jeder Elternteil mit dem Kind in der jeweiligen Muttersprache spricht. Der wichtigste Grund: die Großeltern/ die Familie in Sri Lanka; denn vielen sprechen nur wenig Englisch und ganz sicher kein Deutsch. 

Sprachanfänge Muttersprache Mutter:

Meiner Erfahrung nach ist die Sprache, die die Mutter spricht am besten ausgeprägt, weil sie die Bezugsperson des Kindes ist. 

Da wir in einem deutschsprachigen Umfeld leben, ist klarerweise Deutsch sehr dominant. Die ersten Wörter waren auf deutsch. Unser Kind fing ca. mit 1 Jahr zu blabbern an. Da kann ich der Forschung nur recht geben, Spracherwerb verlief wie bei Kindern, die nur eine Muttersprache haben.

Wie entwickelte sich die zweite Muttersprache?

Mein Mann sprach immer in seiner Sprache, zudem las er auch Bücher in singhalesisch vor. Anfangs, wenn unser Kind gerade lesen wollte. Unser Kind liebt es vor dem Einschlafen zu lesen. Daher haben wir uns aufgeteilt, anfangs brachte ihn mein Partner nur 1x pro Woche ins Bett; seit seinem 3ten Lebensjahr 3x pro Woche. Eine weitere Möglichkeit des Spracherwerbs ist Lieder in der jeweiligen Landessprache; mein Mann hat sie vorgesungen, wir haben das ohne Medien gemacht, da er vom Bildschirm zu sehr abgelenkt wird. 

Telefonate: Wir telefonieren regelmäßig mit den Großeltern, wobei unser Kind nie wirklich lange beim Videocall bleibt, und er meist mehr zuhört als aktiv spricht.

Aufenthalt im Land: Jedes Jahr verbrachten wir mindestens 1 Monat in Sri Lanka (Tipps zum Reisen mit Kindern) und da konnte ich ganz deutlich sehen, wie er die Sprache förmlich aufsaugte. Gerade um den 3ten Geburtstag fiel es mir extrem auf, wie viel er plötzlich sagen konnte. Da Sir Lanka nun mal ganz anders als Österreich ist, hatte er bereits die Möglichkeit Dinge zu sehen, die es hier nicht gibt. Beispielsweise: Tuktuk oder Chun Pan („singendes Brot“: Bäckerauto fährt mit Musik durch die Straßen; sobald du die Musik hörst, stellst du dich an die Straße und der Bäcker bleit stehen).

Familiensprache:

Englisch ist unsere Familiensprache und eigentlich wollte wir es nie wirklich fördern, da wir eben keine Natives sind und sowohl sprachlich als auch grammatikalisch ein anderes Niveau haben – es ließ sich jedoch nicht vermeiden, weil wir jeden Tag so kommunizieren. Wir hoffen hier noch auf englischsprachige Medien wie beispielsweise Kinderlieder oder Kinderserien. Vielleicht hast du bereits Erfahrungen? Ich würde mich auf deinen Input freuen!

Fazit Mehrsprachigkeit Fluch oder Segen

Sprache ist ein Geschenk und wenn du in der Situation bist, wo du eine andere Muttersprache als dein Partner sprichst, dann gib dies deinem Kind/deinen Kindern weiter. Achte jedoch darauf, dass du dich nicht im Sprachgewirr verirrst und in der Literatur verstrickst. Das bedeutet, mache, was dir guttut, mache jedoch keinen Wettbewerb oder ein Muss daraus. Schaue, was dir und deinem Partner möglich ist, denn sonst leidet das Familienleben. 

Das war der erste Einblick in unseren Familienalltag mit 3 Sprachen. Wie sind deine Erfahrungen? Wo stehst du gerade? Wie ist die Sprachentwicklung in der Schule? Wie ist es, wenn die Sprache (wie eben singhalesisch) ein ganz anderes Alphabet hat? 

Love & Peace!

Deine,

Caro

Quellen: 
Internetquellen:
www.bildungsraum.at
www.welt.de
Fachjournal:
A short guide to raising children bilingual, F. Genesee, 2007

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